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Sonntag, Dezember 18, 2005

Gleichberechtigung und Verfassungsbruch

diese woche wurde nun das wort des jahres gekürt, "bundeskanzlerin" soll es sein. die gesellschaft für deutsche (gfds) sprache wählte es vor der schlagzeile "wir sind papst". die entscheidung, von den medien einstimmig getragen, verbreitete sich ohne einwände - na klar, wer wird denn auch. auch die sprachwissenschaftler frohlockten, noch vor einigen jahrzehnten wäre angela merkel mit "frau bundeskanzler" angesprochen worden, welch ein erfolg!
schliesslich gilt die liste der vorschläge zum "wort des jahres" als sinnbild der gesellschaftlichen entwicklung eines jahres und da ist es natürlich erfreulich das positive begriffe wie "bundeskanzlerin" oder die durch die bild geprägte schlagzeile "wir sind sind papst" vor negativ besetzten begriffen wie "heuschrecken oder "gammelfleisch" gelistet wurden.
keine kritik, zustimmung all überall - eine gute entscheidung, was will man mehr?
ich zum beispiel hätte mir gewünscht das die damen und herren der gesellschaft für deutsche sprache ihre entscheidung besser überlegt hätten - sie widerspricht nämlich dem grundgesetz, laut gg. art 63 existiert das wort "bundeskanzlerin" nicht, richtig heißt es "bundeskanzler", das amt ist geschlechtsneutral, siehe hier: (art 63-3) "wird der vorgeschlagene..." - oder eben "frau bundeskanzler".
steht also ein widerspruch zum grundgesetz für die versinnbildlichte entwicklung unserer gesellschaft in diesem jahr?
- ja, und es ist ja schliesslich auch nicht der einzige verfassungswiderspruch des jahres, als da noch wären: einschränkung der informationsfreiheit und infragestellung der menschenrechte bzw. des folterverbotes !
- ..."ein sinnbild der gesellschaftlichen entwicklung des jahres"... -